Audio-CD (12cm) Volume 1
- BACH-SOR-HENZE -
Katalog Nr.Dauer
TEKCD001Samuel T. Klemke SOLO68:15
Cover
Presse 1
Presse 2

Gitarrenstudium in Weimar

Die Debüt-CD von Samuel Klemke stellt ein höchst gegensätzliches Programm vor:

Als erstes Werk erscheint eine Lautensuite Bachs im neuen Gewande des Gitarrenklanges. Die Fantasie von Sor beschwört die virtuose Zeit der klassischen Gitarre. Und Henzes „Royal Winter Music“ ist ein gewichtiges Hauptwerk der Gitarrenliteratur des 20. Jahrhunderts. Es erfühlt die Gestalten Shakespeares in musikalischen Metaphern der Tonsprache unserer Zeit.

Als Samuel 1999 zum Studium nach Weimar kam, war er bestens ausgestattet - er hatte Werke aller Stilepochen studiert, hatte schon Virtuosität und schnelle Finger trainiert und vor allem im Duo mit seiner Schwester Laura grossartige Erfolge erzielt. Leicht hätte er sich also auf seinen Lorbeeren ausruhen können!

Die erste Aufgabe, die sich ihm hartnäckig in den Weg stellte, war die Formung eines schönen, vollen, tragfähigen Tones - für den Gitarristen das Fundamentalste überhaupt. Die Tongestaltung auf der Gitarre muss im wahrsten Sinne mit Fingerspitzengefühl erforscht und geübt werden. Fragen nach Länge und Form der Fingernägel, nach dem Anschlagswinkel der Finger zur Saite und nach der Geschwindigkeit des Anschlagsimpulses galt es zu klären. Es ist ein langwieriger Prozess, ehe der Gitarrist seinen Ton gefunden hat.

Das nächste Ziel auf dem „Gradus ad Parnassum“, welches Samuel sich gesteckt hatte, war die zuverlässige Verfügbarkeit einer sicheren Technik, um sich die Gitarrenmusik durch die Jahrhunderte erschliessen zu können. Das bedeutete waches Erfassen von physiologischen Zusammenhängen - sprich: wie bewegen sich die Finger sinnvoll und sparsam. Und natürlich Übung, Training, Stunde um Stunde...

Mit diesen Grundlagen vervollkommnete sich die Durchdringung der Werke, das Erforschen und Erkennen durch Analyse und vergleichende Interpretation, das Erfassen und Darstellen der inneren Zusammenhänge der Musik.

So hat Samuel mit dieser CD seine Auseinandersetzung mit den Werken hörbar gemacht, seine Ernsthaftigkeit und seine Liebe zur Musik. Die Interpretation wird sich wandeln im Laufe seines Künstlerlebens mit den Strömungen der Zeit. Er wird immer wieder neugierig sein und auf Entdeckungsreise gehen.

Monika Rost - Weimar, im Juli 2004

Johann Sebastian Bach 1685-1750

Aus den Lautenwerken (BWV 995, 996, 997, 998, 999, 1000 und 1006a) von J. S. Bach wurde die Suite BWV 997 eingespielt. Das Werk wurde von Tobias E. Klemke unter besonderer Berücksichtigung der Vielschichtigkeit des Bachschen Originals von c-Moll nach a-Moll transponiert und bearbeitet, um es für die moderne Gitarre zugänglich zu machen.

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23:05
Fernando Sor 1778-1839

Die Art, wie Sor die Gitarre behandelte, erregte bei seinen Zeitgenossen Aufsehen: „Sor ist unbezweifelt der erste Gitarre-Spieler der Welt; es ist unmöglich, sich einen Begriff davon zu machen, zu welchem Grade der Vollkommenheit er dies ... Instrument erhoben hat ... Sors grösste Stärke ist die freye Phantasie: er spielt immer drey- und vierstimmig.“ (AmZ 1823, 636). Sein meist freistimmiger Gitarre-Satz zeichnet sich durch gediegene, oft auch imitatorische Stimmführung aus. Alterierte Akkorde und Nebendominanten bereichern die im wesentlichen diatonisch eingestellte Harmonik. Die Musik trägt vorwiegend den Charakter der Anmut. Als Gitarre-Komponist steht Sor auf einsamer Höhe; seine Opern und Ballette brachten ihm keinen nachhaltigen Erfolg.

MGG

AUDIO 6
AUDIO 12
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16:30
Hans Werner Henze *1926
Erste Sonate über Charaktere Shakespears

Meine Idee, aus Gloucesters Monolog „Now is the winter of our discontent“ eine Musik zu entwickeln und weitere Musik aus dieser, geht auf die sechziger Jahre zurück. Erst zehn Jahre später nahm sie konkretere Formen an, als Julian Bream mir vorschlug, ein umfangreiches neues Gitarren-Werk für ihn zu machen. Doch erst im vergangenen Jahr, nach Beendigung von „Wir erreichen den Fluss“, konnte ich die Verwirklichung dieses Plans in Angriff nehmen. Damit begann eine sich über mehrere Phasen erstreckende Zusammenarbeit mit dem Instrumentalisten, aus der ich eine vertiefte Kenntnis der klanglichen und technischen Aura der Gitarre zurückbringen konnte, ja, vielleicht sogar eine neue Vorstellung vom Schreiben für traditionsreiche Instrumente. Denn die Gitarre, die so sehr zu unserer weit zurückliegenden Vergangenheit gehört, zu unserer Geschichte, ein „wissendes“ Instrument voller Limiten, aber auch voller ungekannter Weiten und Tiefen, verfügt über einen klanglichen Reichtum, der alles zu umfassen vermag, was ein modernes Instrumentarium besitzt, man muss nur, um das bemerken zu können, in die Stille kommen, warten, und den Lärm gründlich ausschliessen.

Die in diesem Stück auftretenden dramatis personae treten durch den Klang der Gitarre hindurch wie durch einen Theatervorhang. Mit ihren Masken, ihren Stimmen und Gesten sprechen sie zu uns von grossen Leidenschaften, von Zärtlichkeiten, Traurigem, Komischem, seltsamen Dingen im Leben der Menschen. Dahinein mischen sich flüsternd die Stimmen der Geister, und den Schluss spricht Oberon, befriedet und versöhnt, als hätte die Natur sich den Menschen unterworfen.

Hans Werner Henze - 6. Juli 1976

28:40